• Dina

"So funktioniert die Welt halt!"

Aktualisiert: 31. Okt.

– Vorsicht, alter Mann. Dir fallen sonst die Zähne raus.



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Danke, nein danke.




"Ihr lernt schon noch, wie die Welt funktioniert."

Es gibt wenige Dinge auf der Welt, die mich wirklich triggern. Sätze wie diese aber gehören dazu. Wenn es eine Sache gibt, die ich nicht leiden kann, dann ist es der Versuch, anderen Menschen die Welt zu erklären.

Bevor jetzt jemand kommt "Ja aber du kannst nicht alles so machen wie du es willst!!!" – ich möchte nicht das Rad neu erfinden. Und ich möchte auch nicht dazu auffordern, sich völlig in Traumbildern zu verlieren.


Ich möchte lediglich ganz leise sagen "Bitte lass mich meine Erfahrungen selbst machen."


Auch ich ertappe mich immer wieder bei dem Gedanken "Jaja, da kommst du schon noch drauf." Und genau diese Gedanken bereue ich umgehend – weil sie Teil einer Haltung ist, die ich sehr, sehr schwierig finde: "Ich weiß es besser."


Was weiß ich schon? Was weißt du schon?

Jetzt muss man natürlich differenzieren. Versucht das Gegenüber zu helfen, aus Sorge? Oder möchte es belehren, um sich wichtig zu machen? Und interpretiert man das ganze dann auch wirklich richtig? Und so weiter und so fort...

Wie immer ist also die Frage: In was für einem Kontext bewegen wir uns?


"Ich möchte doch nur, dass du nicht die gleichen Fehler machst, wie ich!" – wie oft ich diesen Satz gehört habe. Und wie oft ich geantwortet habe: "Lass mich meine eigenen Fehler machen. Und wenn es die gleichen sind, wie die deinen, dann habe ich diese Lektion offenbar gebraucht." Nicht selten schaukeln sich solche Situationen weiter hoch und haben nichts lösungsorientiertes mehr. Irgendwann geht es nur noch darum, "mehr Recht zu haben, als der Andere". Was. Für. Ein. Schwachsinn.


Wie so oft wird gänzlich aus den Augen verloren, worum es eigentlich geht – und stattdessen kämpft man nun gegeneinander.

Da will das Kind in mir schreien "Können wir nicht alle einfach gut miteinander leben?" – Dina, wie naiv, pass auf. Sonst nehmen dich die Leute nicht ernst.


Schade, dass viele von uns so sehr den Bezug zu ihren Bedürfnissen verloren haben. Wobei... unser Verhalten ausschließlich bedürfnisgetrieben ist, oder nicht? Und wer Menschen "kennt", der weiß: sie sind so gut, wie sie grausam sind.


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Niemand ist unschuldiger, als Kinder. Und niemand ist grausamer.






Und da stehen wir nun – zwei Parteien, die sich bekriegen. Warum? Weil sie beide vor allem eins wollen: Autonomie. Anerkennung. Und Verbindung.


Verbindung? Ja, auch die. Denn eigentlich wollen wir einander ja nur schützen, um zu überleben. Menschen sind Tiere. Unsere Bedürfnisse, unsere Triebe und Instinkte sind vor allem dazu da, damit wir nicht vorzeitig die Kerze unserer Art auspusten. Also drangsalieren wir einander. Oder passen aufeinander auf.


Wie nah beides einander kommt, weiß jeder, der sich schonmal in ungesunden Beziehungen jeglicher Art befunden hat... also mit hoher Wahrscheinlichkeit alle Menschen auf diesem Planeten.


Also – so funktioniert die Welt also? Oder hat deine Welt bis jetzt unter einigen Prämissen so funktioniert?


Ja klar, man kann sicher nicht einfach ändern, dass wir Sauerstoff atmen.

Aber vielleicht macht es an der ein oder anderen Stelle Sinn, mal nicht die "Du hast ja keine Ahnung, wie die Welt funktioniert"-Keule rauszuholen – sondern nachzufragen. Hinzuhören. Dann wird man nämlich erstaunlich schnell feststellen: Oh, liebes Gegenüber, du bist ja gar nicht so anders als ich. Vielleicht sollte ich gar nicht versuchen, mich über dich zu stellen. Vielleicht sollte ich gar nicht versuchen, deinen Weg zu steuern – so wie man es mit meinem versucht hat.


Vielleicht sollte ich vielmehr versuchen, neben dir her zu gehen – und dich auf deinem Weg zu begleiten.

Und ob du dann die gleichen Fehler machst wie ich, das ist egal.

Weil es dann deine sind. Aber zumindest musst du nicht allein da durch.


Ist das nicht eine wirklich schöne Vorstellung?


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